Liebe Mitchristen unserer Pfarrgemeinde und in der ganzen Stadt,
mit diesem Gruß möchte ich mich von Ihnen als Pfarrer der Deutschordensgemeinde St. Peter und Paul verabschieden. Fast zwölf Jahre lang durfte ich mit Ihnen zusammen den Glauben an den lebendigen Jesus Christus feiern und neue Wege zu den Menschen unserer Stadt suchen.
Gleich zu Beginn meines Hierseins forderte uns die Flüchtlingskrise heraus, zusammenzustehen und verstörte Menschen mit dem Lebensnotwendigen zu versorgen. Selbstverständlich bezeugten die Kiliansgemeinde und unsere Deutschordensgemeinde die Menschenfreundlichkeit Gottes.
Genauso ließ uns die BUGA ökumenisch zusammenstehen, um alle Menschen, die zu diesem Großereignis in die Stadt kamen oder schon längst hier wohnen, erfahren zu lassen, wie „Leben schmeckt“.
Auch der Angriff Russlands auf die Ukraine weckte wieder die spontane Solidarität so vieler und ließ vom Krieg verschreckte Frauen und Kinder selbstverständlich unsere Gastfreundschaft spüren. Die unkomplizierte Zusammenarbeit mit der Stadtverwaltung und den unterschiedlichsten Institutionen in der Stadt bestärkten mich und alle, die mithalfen.
Die Krönung meiner Zeit hier war sicher das Jubiläum „800 Jahre Deutscher Orden in Heilbronn“. Mit einem vielfältigen Programm feierten wir ein ganzes Jahr lang die christlichen Wurzeln unseres Zusammenlebens in der Stadt. Es war eine Freude, wie viele aus der Gemeinde und weit darüber hinaus dabei mitwirkten.
Das alles bewegte mich genauso wie Sie alle. Ich sah uns immer von Gott begleitet, der uns durch die Herausforderungen unserer Zeit den Weg wies. Große festliche Gottesdienste, aber genauso stille Gebete in unserem Deutschordensmünster stärkten in so vielen das Vertrauen ins Leben. Die zunehmende Zahl der Menschen unterschiedlichster Herkunft in unseren Gottesdiensten ließ mich stets auf Neue erfahren, wie Integration geht; nämlich durch eine gemeinsame Verbundenheit, die nicht von uns Menschen, sondern allein von Gott kommt. In 14 Sprachen wurden beim vergangenen Fronleichnamsfest die Fürbitten vorgetragen!
Dankbar machen mich zudem die Menschen, die ich persönlich auf ihrem Glaubensweg begleiten durfte, sei es beim Sakrament der Versöhnung oder im vertrauensvollen Gespräch. Oft wurde mein eigenes Gottvertrauen dabei gestärkt.
Ich habe unsere Gemeinde in all diesen Jahren als einen Ort erlebt, an dem der Glaube lebendig geteilt, gefeiert und weitergegeben wurde. So viele halfen verantwortlich mit, dass Gottes Treue zu uns Menschen für andere spürbar wurde. Auch mich selbst stärkte dieses Miteinander im Vertrauen darauf, dass Gott meinen Weg mit mir geht.
Diesen großen Dank für alles nehme ich mit in meinen Ruhestand, den ich in Leutkirch im Allgäu verbringen möchte.
Bei allem, was künftig kommt, wünsche Ihnen ein festes Vertrauen in Gott, der unser Heil beschlossen hat.
Ihr Pfarrer Roland Rossnagel