3. Dezember

„… unter Mistelzweigen darf geküsst werden…“

Mistel … und ihre anderen Namen: Hexenkraut, Donnerbesen, Kreuzholz…
sie taucht in vielen uralten Sagen und Mythen auf, wo ihr besondere Kräfte zugeschrieben werden. Aus Britannien kommt der alte Brauch, Mistelzweige in der Wohnung aufzuhängen zum Schutz und Segen.
Wenn zwei Menschen sich direkt unter einem solchen Zweig trafen, durften – sollten – sie sich küssen – als Besiegelung des Segens und seiner Wurzel in der Liebe.

Wofür sonst sollte der Kuss ein Symbol sein?
Gleich, ob es ein flüchtiger, hingehauchter, ein zärtlicher oder leidenschaftlicher Kuss ist –
Gleich, was sich andere dabei denken –
Gleich auch, was die beiden selbst sich denken –
die Symbolkraft bleibt, wie sie immer war.

Wann haben die Menschen wohl den Kuss erfunden?
Das steht in keinen Geschichtsbüchern und kommt in keiner Unterrichtsstunde vor, ist nicht Gegenstand der Forschung.
Aber wir alle kennen ihn und sicher verbinden wir auch alle viele kleine, größere oder auch ganz große Erinnerungen mit ihm. Er spricht eine universale, wortlose Sprache der Zuneigung, Verbindung, Zärtlichkeit in allen denkbaren Abstufungen.
Unter der Mistel darf er sein und er darf frei sein von allen konventionellen Schranken und Assoziationen.
Narrenfrei –  bedingungslos –
einfach mal so ein kleines Geschenk, das keinen Regeln und Gewohnheiten folgt – das passt zu allen Namen: Hexenkraut – Donnerbesen – Kreuzholz –
denn er ist unberechenbar…

Wir sollten uns also darauf einlassen ohne Angst, dass er zuviel kosten könnte. Haben wir diese Angst denn nicht sonst in allen Dingen, besonders wenn Nähe ins Spiel kommt?
„Es könnte Folgen haben…das könnte wehtun…Gehört es sich? … Ich habe lieber Distanz, halt mich lieber an das Gewohnte…Ich weiß ja auch garnicht, ob die andere Person es will, es könnte aufdringlich wirken oder sonstwie fehl am Platz… Ich bin keine so forsche Type…Das ist doch albern……“

Laufen wir nicht ständig mit einem solchen Abstandshalter in der Welt herum, hinter Masken, Schutzschilden, Tarnkappen versteckt?
Das Hexenkraut provoziert und kratzt daran und es ist an uns, ihm nachzugeben, unter dem Schutz einer liebe-vollen Tradition.

„… unter Mistelzweigen darf geküsst werden…“
Was für eine zauberhafte Einladung, Liebe zu verteilen wie einen kleinen, goldenen Konfettiregen…
federleicht und doch zu Herzen gehend…

Folgen wir ihr!

Hanne Märker