“Über Gott und die Welt sprechen”

Eine Veranstaltungsreihe des “Literaturhaus Heilbronn”, der evangelischen und der katholischen Erwachsenenbildung.

Donnerstag, 29. Juli, 19:30 Uhr im Deutschhof

Michael Lichtwarck-Aschoff: Robert Kochs Affe

Der Arzt und Schriftsteller widmet sich in seinem Buch einem unrühmlichen Kapitel deutscher Medizingeschichte. Seine Wissenschaft von den Bakterien hat Robert Koch als totalen Krieg gegen das Unsaubere verstanden. Dabei ist unsauber recht schnell identisch mit dem Fremden, das auch noch ansteckend ist. Ansteckung wiederum produziert angesteckte Massen, diese wiederum machen den Aufstand. So sind in der Sicht Kochs Seuche und Aufstand vom selben schrecklichen Fleisch. In drei Episoden wird erzählt, wie eine solche Haltung zu Beginn des 20. Jahrhunderts im sauberen Berlin entsteht, und zu welch unmenschlichen Folgen sie zwangsläufig führt. Das kranke, aufsässige Afrika, für Koch das Unsaubere schlechthin, muss mit Menschenversuchen in „concentration camps“ gesäubert werden. In New York dann erweist sich die Seuchenbekämpfung nach seinen Prinzipien als Zuchtinstrument gegen all jene, die unbelehrbar an der Hoffnung auf ein besseres Leben festhalten. Nun kommen Koch selber Zweifel.

Michael Lichtwarck-Aschoff ist außerplanmäßiger Professor für Anästhesiologie und Intensivmedizin. Er hat viele Jahre am Uniklinikum Augsburg sowie in Forschungseinrichtungen der Unis München, Basel, Freiburg und Uppsala gearbeitet. Nach dem Ende seiner Klinikarbeit stellt er sich erzählend in mehreren Büchern die Frage: Was heißt und zu welchem Ende treiben wir Medizin?

Preis: 5 €, TIckets hier reservieren

 

Donnerstag, 5. August, 19:30 Uhr im Deutschhof

Joachim Zelter: Die Verabschiebung

Zwischen dem Liebespaar Julia und Faizan könnte alles gut sein– wenn der pakistanische Asylbewerber Faizan nur in diesem Land bleiben dürfte. Doch seine Chancen auf ein Hierbleiben sind gleich null. Und so entschließt sich Julia, ihren Freund zu heiraten, obgleich sie eigentlich niemals heiraten wollte. Doch wenn sie geglaubt hat, dass mit einer Ehe nun alles gut wird, hat sie sich geirrt.
Beklemmend-spannend erzählt Joachim Zelter von der End- und Aussichtslosigkeit eines Asylverfahrens, wo auch eine Ehe kein hinreichender Grund mehr für irgendetwas ist. Sein Roman beschreibt einen kafkaesk-kalten Kosmos akribischen Rechts, in dem die beteiligten Menschen – in einem endlosen Kraftakt – immer mehr an Autonomie und Substanz verlieren, bis kaum mehr etwas von ihnen übrig ist. Menschenwürde? Sie erweist sich in Zelters neuem Roman zunehmend als Konjunktiv.

Joachim Zelter, 1962 in Freiburg im Breisgau geboren, war von 1990 bis 1997 Dozent für englische und deutsche Literatur an den Universitäten Tübingen und Yale. Seither lebt er als freier Schriftsteller in Tübingen. Er ist Autor von Romanen, Theaterstücken und Hörspielen.

Preis 5 Euro, Tickets in Kürze verfügbar

Literaturhaus Veranstaltungsflyer 2021